Heath Ledger in The Dark Knight (2008) – der böseste Filmschurke

Filmszene The Dark Knight - Warner Bros. Pictures
Filmszene The Dark Knight - Warner Bros. Pictures
Niemals ist ein Filmschurke mit größerer Intensität und intensiverem Wahnsinn gespielt worden als der Joker in Christopher Nolans "The Dark Knight" (2008)

Der Bösewicht gehört zum Film wie der Topf zum Deckel oder die Marmelade aufs Brot – es passt und mundet dem Filmgourmet stets exzellent! Aber es gibt dann doch Schurken, die sind schurkiger, fieser, gemeiner, gruseliger und einfach BESSER gespielt als andere.

Die ewige Geschichte von Gut vs. Böse – der geflügelte Retter und seine Nemesis

Man ist versucht, Äpfel mit Birnen zu vergleichen, wenn man sich die lange Reihe der Joker-Darsteller in der ebenso langen Reihe von "Batman"-Verfilmungen ansieht. Dabei ist der Joker keineswegs der einzige der zahlreichen Gegner Batmans und Gangster auf Gotham Citys Straßen. So tummelten sich im Laufe der Jahrzehnte an die 90 verschiedenen Kriminelle in Batmans Universum, darunter so klangvolle Namen wie Catwoman, Clayface, der Pinguin, the Mad Hatter, Scarecrow, Two-Face oder Mr. Frost. Batmans ewiger Gegenspieler ist und bleibt jedoch der Wahnsinnige mit dem Make-Up und dem irren Grinsen.

Primus inter pares – Heath Ledger spielt seine hochkarätigen Ensemblekollegen gnadenlos an die Wand

Nun ist "The Dark Knight" (2008) von Regisseur Christopher Nolan ein bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzter und brillant in Szene gesetzter Action-Thriller: Christian Bale als Batman/Bruce Wayne, Michael Caine als Butler Alfred, Gary Oldman als Comissioner Gordon, Morgan Freeman als Lucius Fox, Aaron Eckhart als Harvey Dent/Two-Face und nicht zu vergessen Maggie Gyllenhaal als Rachel Dawes. Jeder dieser Schauspieler ist ein Könner für sich betrachtet – zusammen laufen sie in den 146 Filmminuten von "The Dark Knight" zu Höchstform auf. Und dennoch ist der wirkliche Star, im Wortsinne der Stern des Films, der 2008 mit nur 28 Jahren verstorbene Australier Heath Ledger.

Der Joker hatte schon viele Gesichter – Genese eines Schurken

Heath Ledger hatte berühmte Vorgänger: Cesar Romero stellte die Figur in den 1960er-Jahren in der Serie "Batman" und dem Film-Spin-Off "Batman hält die Welt in Atem" (Leslie H. Martinson, 1966) als geckenhaften Satyr dar, weniger Krimineller als vielmehr Mischung aus Ulknudel und Jahrmarktsfigur. Natürlich gab es auch zahlreiche Animated-Versionen von Batman. Sprecher des Jokers waren zum Beispiel der als Luke Skywalker berühmt gewordene Schauspieler Mark Hamill oder der Schauspieler Kevin Michael Richardson. Jack Nicholson, der schon unter anderem in den Filmen "Shining" (Stanley Kubrick, 1980) oder "Die Hexen von Eastwick" (George Miller, 1987) mit seinem Markenzeichen, dem teuflischen Grinsen, brilliert hatte, drückte eben damit der Figur des Jokers in Tim Burtons kongenialer Batman-Verfilmung "Batman" (1989) einen mindestens ebenso nachhaltigen Stempel auf wie es knapp 20 Jahre später Heath Ledger gelingen sollte.

Was Bosheit ausmacht, oder: warum der Joker von Heath Ledger so gut funktioniert

Was ist es aber nun, das den Ledger'schen Joker so unglaublich bösartig werden lässt? Es ist ein Zusammenspiel zahlreicher Faktoren, wie einem beim Genuss des Filmes schnell klar wird. Zum einen ist das Make-Up des Jokers weder albern, noch witzig oder skurill. Der Wahnsinn steht dem Joker wortwörtlich ins Gesicht geschrieben. Dann sind da die immer wieder leicht zuckenden und grausam verunstalteten Mundwinkel, deren Ursprung unklar bleibt, auch wenn der Joker im Verlauf des Films zwei unterschiedliche Varianten angibt. Viel wichtiger als diese Äußerlichkeiten sind jedoch die schauspielerischen Sahnestückchen, die Ledger in wirklich jeder seiner Auftritte anbietet.

Wahnsinn in kleinen Einheiten – der Joker in "The Dark Knight"

Es fängt bereits in der ersten Szene an, dem Bankraub mit dem unvergleichlich gesprochenen Satz: "I believe whatever doesn't kill you simply makes you... stranger!" Und dieser "strange"-Faden ist der rote, der sich durch die folgenden knapp zweieinhalb Stunden Film zieht, der die Szenen mit dem Joker zu den herausragenden in einem durchwegs hervorragenden Film macht. Wie Ledger als der Joker bei der Feier im Hochhaus auf der Suche nach Harvey Dent ist, wie er die versammelte Unterwelt von Gotham City mit seinem Granaten-Mantel in Schach hält und dabei den Mut des Verrückten zeigt, des Jokers wahrhaft explosiver Auftritt im Krankenhaus, sowie die zahlreichen weiteren Szenen sind morbid-grandiose Lektionen in wahrer, abgrundtief böser Schauspielkunst. Dabei ertappt man sich als Zuseher dabei, dass man Sympathien entwickelt, die einem bei näherer Betrachtung den Kopf schütteln lassen. Hier werden Hierarchien auf den Kopf gestellt – das Gute ist zwar gut, aber das Böse ist noch viel besser. Ob das indes von den Drehbuchautoren so gewollt war, darf kaum anzunehmen sein, weshalb diese Leistung einzig und allein der schauspielerischen Klasse Heath Ledgers zuzuschreiben sein dürfte.

Wolfgang Weitzdörfer, Fotostudio Sabine Winkler

Wolfgang Weitzdörfer - Werdegang Abitur 1996Ausbildung zum Heilerziehungspfleger 1998-2001Berufstätigkeit 2001-20082008 - 2011: Studium BA ...

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